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BLOG THEMEN
Die Abenteuer von Marlene und Timmy der Ziege
Kathrin Baltzer


 

Lieblingsstellen

 

Vernunft und Gefühl


Autor: Jane Austen

Übersetzung: Ruth Schirmer

ISBN
3717516521

Die Schwestern Steele schleimen sich bei Lady Middleton in Barton Park ein, u.a. indem sie ihre verzogenen Kinder über den Klee loben. In einem Gespräch mit den Dashwood Schwestern Marianne und Elinor erklärt Lucy Steele:

„… Nie im Leben habe ich so reizende Kinder gesehen. Ich gestehe, dass ich schon ganz vernarrt in sie bin; ich habe Kinder ohnehin unglaublich gern. … Vielleicht treiben sie es manchmal gar zu arg; aber für Lady Middleton ist es nur natürlich; und ich persönlich sehe Kinder voller Leben und Temperament furchtbar gern. Ich kann es nicht ertragen, wenn sie brav und stumm sind.“

„Ich muss gestehen“, sagte Elinor,“ dass ich, wenn ich in Barton Park bin, mit keinerlei Abscheu an brave und stumme Kinder denke.“

 

 

Drei Männer im Schnee


Autor: Erich Kästners

ISBN
3423110082

Tante Julchen wurde es zuviel. Sie stand auf und wollte nach Bruckbeuren zurück. „Aber mit der Drahtseilbahn fahre ich nicht!“
„Zu Fuß ist die Strecke noch viel gefährlicher“, sagte Hagedorn. „Außerdem dauert es vier Stunden.“
„Dann bleibe ich hier oben und warte bis zum Frühling.“, erklärte die Tante kategorisch.
„Ich habe doch aber schon die Rückfahrkarten gelöst!“ meinte Kesselhuth. „Soll denn Ihr Billett verfallen?“
Tante Julchen rang mit sich. Es war ergreifend anzusehen. Endlich sagte sie: „Das ist natürlich etwas anderes.“ Und dann schritt sie als erste zur Station.
Sparsamkeit macht Helden.



Das Geheimnis des Edwin Drood

Autor: Charles Dickens

Illustration: Charles Collins u. Luke Fildes

ISBN
371751976X

Der letze und unvollendete Roman von Charles Dickens ist auch der bissigste - jedenfalls im Vergleich zu denen, die ich bisher gelesen habe. Hier ein Beispiel:

"Nimmt man den Esel als Sinnbild für selbstgefällige Dummheit und Eitelkeit - ... - so ist der reinste Esel in Cloisterham Mr. Thomas Sapsea, Auktionator.

Mr. Sapsea pflegt sich wie der Dekan zu kleiden; man hat sich schon irrtümlich vor ihm verbeugt wie vor dem Dekan, man hat ihn sogar schon mit 'My Lord' angesprochen, als ob er der Bischof wäre, der unerwartet und ohne seinen Kaplan zu Besuch gekommen ist. Mr. Sapsea ist sehr stolz darauf, ebenso stolz wie auf seine Stimme und auf seinen Stil. Er hat sogar schon (beim Versteigern von Grundbestitz) das Experiment gemacht, seine Formeln ein wenig singend zu rezitieren, um noch mehr dem zu gleichen, was er für einen authentischen Kirchenmann hält. So beendet er die öffentliche Auktion gewöhnlich in einem Ton, als erteilte er den versammelten Trödlern seinen Segen, womit er den echten Dekan, einen bescheidenen und würdigen Herrn, weit hinter sich läßt.

Mr. Sapsea hat viele Bewunderer; tatsächlich betrachtet ihn eine große Mehrheit im Ort, zu der auch Leute gehören, die nicht an seine Weisheiten glauben, als eine Zierde für Cloisterham. Er besitzt die große Qualitäten, aufgeblasen und unempfindlich zu sein sowie ein Wogen in seiner Sprache und ein weiteres Wogen in seinem Gang zu haben; ganz abgesehen von einer gewissen gravitätisch fließenden Art, die Hände zu bewegen, als wolle er seinen Gesprächspartner gleich konfirmieren. ... Wie könnte ein solcher Hohlkopf etwas anderes sein als eine Zierde für Cloisterham und für die Gesellschaft?"


Das doppelte Lottchen

Autor: Erich Kästner

Illustration: Walter Trier

ISBN 3791530119

"Luise hockt mit ihren Freundinnen auf der Gartenmauer und hat eine strenge Falte über der Nasenwurzel.
'Ich ließe mir das nicht gefallen', sagte Trude, ihre Wiener Klassenkameradin. 'Kommt da frech mit deinem Gesicht daher!'
'Was soll ich denn machen?' fragte Luise böse.
'Zerkratz es ihr!' schlägt Monika vor.
'Das beste wird sein, du beißt ihr die Nase ab!' rät Christine. 'Dann bist du den Ärger mit einem Schlag los!' Dabei baumelte sie gemütlich mit den Beinen."


Die entführte Prinzessin

Von Drachen, Liebe und anderen Ungeheuern.

Autorin: Karen Duve

ISBN 3442461421

"Bredur hatte seinen Wunsch kaum getan, da began sein Pferd unruhig zu stampfen. Der Ritter stützte sich im Sattel auf und wartete. Jetzt spürte auch er etwas - durch den Sattel und das ganze Tier hindurch: Der Waldboden schütterte. Kelpie verdrehte wild die Augen. Schaum trat ihm vors Maul. ... Nun gesellte sich zu dem Rauschen das Krachen berstenden Holzes, und dann sah er es: Zwischen den Zweigen schob sich ein Zackenkamm hindurch. Ein Drache, das mußte ein Drache sein. Und er war schon verdammt nah. Zersplitterte Äste krachten zu Boden. Bredur zog sein Schwert, ...

Aber jetzt! Da war er! Sein erster Drache! Größer als drei aufeinandergestellte Pferde. Er war über und über mit grünen Schuppen bedeckt und besaß Flügel an den Seiten. ... Seine Nasenlöcher dampften, die gelben Augen quollen unvorteilhaft aus ihren Höhlen, die Maultierohren schlappten im Takt seiner Schritte, und aus den Schultern wuchsen meertangartige Fransen. ...

In diesem Moment erkannte er, daß es sich bei den meertangartigen Fransen um menschliche Beine und Füße handelte, zu denen noch Rumpf, Arme und Kopf gehörten. Auf dem Hals des Drachens saß ein Mann mit weißem Bart und violettem Spitzhut, allem Anschein nach ein Zauberer.

'Keine Aaaangst! Der tuuuuuut nichts' brüllte der Zauberer mit offenem Mund gegen den Fahrtwind an. 'Der will nur spiiiielen.' "

 

Das Parfüm

Die Geschichte eines Mörders

Autor: Patrick Süskind

ISBN
3257228007



Das ist eine wirklich zeitlose Textpassage über Generationen- und Zeitenwechsel; - poetisch und ein Beispiel erster Güte für die Metapher und den Subtext. Ich habe stets ein Lesezeichen darin:

"Bestimmt besaß dieser Bastard Pélissier mit seinen fünfunddreißig Jahren schon jetzt ein größeres Vermögen, als er, Baldini, es sich in der dritten Generation durch harte beharrliche Arbeit endlich angehäuft hatte. Und Pélissiers nahm täglich zu, während seins, Baldinis, sich täglich verminderte. So etwas wäre früher doch gar nicht möglich gewesen! Daß ein angesehener Handwerker und eingeführter Commercant um seine schiere Existenz zu kämpfen hatte, das gab es doch erst seit wenigen Jahrzehnten! Seitdem überall und in allen Bereichen die hektische Neuerungssucht ausgebrochen ist, dieser hemmungslose Tatendrang, diese Experimentierwut, diese Großmannsucht im Handel, im Verkehr und in der Wissenschaft!

Oder der Geschwindigkeitswahn! Wozu brauchte man die vielen neuen Straßen, die überall gebuddelt wurden, und die neuen Brücken? Wozu? War es von Vorteil, wenn man bis Lyon in einer Woche reisen konnte? Oder über den Atlantik zu fahren, in einem Monat nach Amerika zu rasen - als wäre man nicht jahrtausendelang sehr gut ohne diesen Kontinent ausgekommen. Was hatte der zivilisierte Mensch im Urwald der Indianer verloren oder bei den Negern? Sogar nach Lappland gingen sie, das lag im Norden, im ewigen Eise, wo Wilde lebten, die rohe Fische fraßen. Und noch einen weiteren Kontinent wollten sie entdecken, der angeblich in der Südsee lag, wo immer das war. Und die Spanier, die verfluchten Engländer, die impertinenten Holländer, mit denen man sich dann herumschlagen mußte, was man sich überhaupt nicht leisten konnte. 300 000 Livre kostet so ein Kriegsschiff gut und gerne, und versenkt ist es in fünf Minuten mit einem einzigen Kanonenschuß, auf Nimmerwiedersehn, bezahlt von unseren Steuern. Den zehnten Teil auf alle Einkünfte verlangt der Herr Finanzminister neuerdings, und das ist ruinös, auch wenn man diesen Teil nicht zahlt, denn schon die ganze Geisteshaltung ist verderblich.

Das Unglück des Menschen rührt daher, daß er nicht still in seinem Zimmer bleiben will, dort, wo er hingehört. Sagt Pascal. Aber Pascal war ein großer Mann gewesen, ein Frangipani des Geistes, ein Handwerker recht eigentlich, und ein solcher ist heute nicht mehr gefragt. Jetzt lesen sie aufwieglerische Bücher von Hugenotten oder Engländern. Oder sie schreiben Traktate oder sogenannte wissenschaftliche Großwerke, in denen sie alles und jedes in Frage stellen. Nichts mehr soll stimmen, alles soll jetzt plötzlich anders sein. In einem Glas Wasser sollen neuerdings ganz kleine Tierchen schwimmen, die man früher nicht gesehen hat; die Syphilis soll eine ganz normale Krankheit sein und keine Strafe Gottes mehr; Gott soll die Welt nicht an sieben Tagen erschaffen haben, sondern in Jahrmillionen, wenn er es überhaupt war; die Wilden sind Menschen wie wir; unsere Kinder erziehen wir falsch; und die Erde ist nicht mehr rund wie bisher, sondern oben und untern platt wie eine Melone - als ob es darauf ankäme! In jedem Bereich wird gefragt und gebohrt und geforscht und geschüffelt und herumexperimentiert. Es genügt nicht mehr, daß man sagt, was ist und wie es ist - es muß jetzt alles noch bewiesen werden, am besten mit Zeugen und Zahlen und irgendwelchen lächerlichen Versuchen. Diese Diderots und d´Alemberts und Voltaires und Rousseaus und wie die Schreiberlinge alle hießen - sogar geistliche Herren sind darunter und Herren von Adel! -, sie haben es wahrhaft geschafft, ihre eigne perfide Ruhelosigkeit, die schiere Lust am Nichtzufriedensein und des um alles in der Welt Sichnichtbegnügenkönnens, kurz; das grenzenlose Chaos, das in ihren Köpfen herrscht, auf die gesammte Gesellschaft auszudehnen!

Wo man hinsah, herrschte Hektik. Leute lasen Bücher, sogar Frauen. Priester hockten im Kaffehaus. Und wenn die Polizei mal eingriff und einen dieser Oberschurken ins Gefängnis steckte, dann heulten gleich die Verleger auf und reichten Petitionen ein, und höchste Herren und Damen machten ihren Einfluß geltend, bis man ihn nach ein paar Wochen wieder freisetzte oder ins Ausland ziehen ließ, wo er dann hemmungslos weiterpamphletisierte. In den Salons palaverte man nur noch über Komentenbahnen und Expeditionen, über Hebelkraft und Newton, über Kanalbau, Blutkreislauf und den Durchmesser des Erdballs.

Und selbst der König ließ sich irgendeinen neumodischen Unsinn vorführen, eine Art künstliches Gewitter namens Elektizität: Im Angesicht des ganzen Hofes rieb ein Mensch an einer Flasche, und es funkte, und seine Majestät, so hört man, zeigte sich tief beeindruckt. Unvorstellbar, daß sein Urgroßvater, der wahrhaft große Ludwig, unter dessen segensreicher Herrschaft Baldini lange Jahre noch das Glück hatte gelebt zu haben, eine so lächerliche Demonstration vor seinen Augen geduldet hätte! Aber das war der Geist der neuen Zeit, und böse würde alles enden!

Denn wenn man schon ungeniert und auf die frechste Art die Autorität von Gottes Kirche in Zweifel ziehen konnte; wenn man über die nicht minder gottgewollte Monarchie und die geheiligte Person des Königs sprach, als seinen beide bloß variable Posten in einem ganzen Katalog von anderen Regierungsformen, die man nach Gusto auswählen könne, wenn man sich schließlich noch so weit verstieg, wie das geschah, Gott selbst, den Allmächtigen, Ihn Höchstpersönlich, als entbehrlich hinzustellen und allen Ernstes zu behaupten, es seien Ordnung, Sitte und das Glück auf Erden ohne Ihn zu denken, rein aus der eingborenen Moralität und der Vernunft der Menschen selber ... o Gott, o Gott! - dann allerdings brauchte man sich nicht zu wundern, wenn sich alles von oben nach unten kehrte und die Sitten verlotterten und die Menschheit das Strafgericht dessen, den sie verleugnete, auf sich herabzog. Böse wird es enden. Der große Komet von 1681, über den sie sich lustig gemacht haben, den sie als nichts als ein Haufen von Sternen bezeichnet haben, er war eben doch ein warnendes Vorzeichen Gottes gewesen, denn er hatte - jetzt wußte man es ja - ein Jahrhundert der Auflösung angezeigt, der Zersetzung, des geistigen und politischen und religiösen Sumpfes, den sich die Meschheit selber schuf, in dem sie dereinst selbst versinken wird und in dem nur noch schillernde und stinkende Sumpfblüten gediehen wie dieser Pélissier!

Er stand am Fenster, der alte Mann Baldini, und schaute mit gehässigem Blick gegen die schräg stehende Sonne auf den Fluß hinaus. Lastkähne tauchten unter ihm auf und glitten langsam nach Westen auf den Pont Neuf und den Hafen vor den Galerien des Louvre zu. Keiner wurde hier gegen die Strömung heraufgestakt, sie nahmen den Flußarm auf der anderen Seite der Insel. Hier strömte alles nur weg, die leeren und die beladenn Schiffe, die Ruderboote und flachen Kähne der Fischer, das schmutzigbraune Wasser und das golden gekräuselte, alles strömte weg, langsam, breit und unaufhaltsam. Und wenn Baldini ganz steil nach unten blickte, hart an der Hauswand entlang, dann war es als söge das strömende Wasser die Fundamente der Brücke davon, und es schwindelte ihm.

Es war ein Fehler gewesen, das Haus auf der Brücke zu kaufen, und ein doppelter Fehler, eines auf der westlich gelegenen Seite zu nehmen. Nun hatte er dauernd den wegströmenden Fluß vor Augen, und es war ihm, als ströme er selbst und sein Haus und sein in vielen Jahrzehnten erworbener Reichtum davon wie der Fluß und als sei er zu alt und zu schwach, sich noch gegen diese gewaltige Strömung zu stemmen. Manchmal, wenn er auf dem linken Ufer zu tun hatte, im Viertel um die Sorbonne oder bei Saint-Sulpice, dann ging er nicht über die Insel und den Pont Saint-Michel, sondern er nahm den längeren Weg über den Pont Neuf, denn diese Brücke war unbebaut. Und dann stellte er sich an die östliche Brüstung und schaute flußaufwärts, um wenigstens ein Mal alles auf sich zuströmen zu sehen; und für einige Augenblicke schwelgte er in der Vorstellung, die Tendenz seines Lebens habe sich umgekehrt, die Geschäfte florierten, die Familie gediehe, die Frauen flögen ihm zu und seine Existenz, statt zerrinnen, mehre und mehre sich.

Aber dann, wenn er den Blick nur ein klein wenig hob, sah er in einigen hundert Metern Entfernung sein eigenes Haus gebrechlich schmal und hoch auf dem Pont au Change, und er sah das Fenster seines Arbeitszimmers im ersten Stock und sah sich selbst dort am Fenster stehen, sah sich hinaussehen auf den Fluß und das wegströmende Wasser beobachten, wie jetzt. Und damit war der schöne Traum verflogen, und Baldini, auf dem Pont Neuf stehend, wandt sich ab, niedergeschlagener als zuvor, niedergeschlagen wie jetzt, da er sich vom Fenster abwendete, zum Schreibtisch ging und sich setzte."






 


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